Nichts ist unmöglich!

Olaf Ortmann vom VfL Bergheide ist ein begeisterter Ausdauersportler. Einen 24 Stundenlauf (142,849 km), ein 24 Stunden Schwimmen (20,4 km) sowie die Stonemandistanz von 162 km mit dem MTB hat er bereits geschafft. Nun hatte er sich für 2020 die Ironmandistanz vorgenommen. Doch dann kam die Corona Pandemie und alle Pläne waren erledigt. Sollte der ganze Trainingsaufwand umsonst gewesen sein? Nein! meinte Ortmann, dann organisiere ich mir eben selbst eine Veranstaltung. Hierfür nutzte er seinen Familienurlaub auf der Nordseeinsel Texel. Schnell hatte er die entsprechenden Strecken gefunden und das Unternehmen Ironman konnte beginnen. Selbst eine virtuelle Zuschauergruppe war dabei und feuerte ihn über das Internet an. Aber lassen wir ihn selbst sprechen. Hier ist sein Bericht:

Olaf Ortmann vom VfL Bergheide

Vor einem Jahr habe ich beschlossen eine Pause vom Ultralauf zu machen und zur Abwechslung ein Triathlon Jahr einzulegen.

Also wurde ein Rennrad gekauft und das Kraulschwimmen erlernt.

Angedacht waren die Triathlonveranstaltungen in Hagen und Kraichgau zur Vorbereitung und anschließend die Ironman Europameisterschaften in Frankfurt als großes Ziel. Alle diese Veranstaltungen fielen der Pandemie ebenso zum Opfer wie die Ausweichveranstaltung in Hamburg.

Also habe ich beschlossen meinen eigenen Triathlon zu absolvieren. Dafür bot sich der Familienurlaub auf Texel an. Dort kenne ich mich bestens aus und habe gleich zwei Begleitfahrzeuge. Ein weiterer Vorteil, die Insel ist sehr verkehrsarm aber auch leider oft windanfällig. Eine günstige Rad- und Laufstrecke war schnell gefunden. Die Schwimmeinheit sollte im Schwimmbad erfolgen. Aufgrund der Corona Pandemie darf das Schwimmbad eigentlich nur 60 Minuten genutzt werden. Aber Texelaner sind nett und entspannt. Mir wurde zugesagt, das Schwimmbad so lange zu nutzen bis ich meine 3,8 km Schwimmeinheit absolviert habe. Ein wenig Sorge bereitete mir meine Schulter. Diese war nach einem Sturz mit dem MTB immer noch nicht wieder schmerzfrei. Aber meine Nichte legte mir als angehende Ärztin ein Tape und löste damit auch dieses Problem. Meine Tochter Eva überzeugte mich eine WhatsApp Gruppe ins Leben zu rufen. „Wenn Du schon keine Zuschauer am Streckenrand hast“ Zu meiner Verblüffung fanden sich schnell über 60 Freunde, Familienmitglieder und Vereinskollegen welche begierig die Zwischenstände sowie Fotos und kurze Filme verfolgten und mit Kommentaren und Anfeuerungen sich per Netz meldeten. So wurde ich während des gesamten Wettkampfes von meinem Begleitteam über das Echo im Netz informiert. So stand ich dann also um 7:30 Uhr mit einer Abordnung meiner Familie im Schwimmbad Molenkoog an meiner eigens abgesperrten Bahn. Ursprünglich wollte ich durch eine Mischung aus Kraul- und Brustschwimmen die Schulter entlasten. Aber es ging überraschend gut. So konnte ich die kompletten 3,8 km in 1:45 Stunden durchkraulen. Unter dem Applaus der Badegäste, die mittlerweile mitbekommen hatten, welch verrückter Kerl sich unter die Morgenschwimmer gemischt hatte, verließ ich im Laufschritt das Schwimmbad. Ohne mir vorher die Haare zu föhnen. Am Begleitfahrzeug hatte mein Team die Wechselsachen ausgebreitet, so dass ich sofort aufs Rad konnte. Die ersten Kilometer im 36er Schnitt. Viel zu schnell, aber es war auch Rückenwind. Der Schnitt pendelte sich dann in einem Bereich um 30 Stundenkilometer ein. Trotz ein paar Problemen mit der Gesäßmuskulatur konnte ich das Tempo bis zum Schuss halten. Nach 180 km endete dann die Radprüfung und ich wechselte auf die Laufstrecke. Hier merkte ich dann deutlich, dass ein Marathon nach Schwimmen und Radfahren etwas anderes ist. Mein eigentliches Marathontempo liegt bei knapp 5 min pro Kilometer. Das dies heute so nicht funktionieren würde war mir schon im Vorfeld klar. Also versuchte ich es mit einem 6 Minuten Tempo. Das funktionierte auch gut. Den Halbmarathon durchlief ich in 2:20 Stunden. Aber dann rächte es sich, dass ich im Vorfeld wenig Wert auf die richtige Ernährung gelegt hatte. Jetzt konnte ich keine Müsliriegel und keine Isogetränke mehr sehen. Mein Magen rebellierte und ich musste zeitweise ein paar Meter gehen. Beim Laufstart hatte ich noch auf eine Zeit von unter 13 Stunden gehofft, aber das würde jetzt nicht mehr funktionieren. Aber eigentlich war mir das egal. Als ich mir das Ziel Ironman gesetzt hatte wollte ich ohnehin nur unter 16 Stunden bleiben. Irgendwann konnte ich dann wieder flüssig, wenn auch langsamer laufen. 5 km vor dem Ziel kamen mir dann Sohn und Neffe mit den Rädern entgegen. Das ließ das Tempo noch mal steigern. Mein Begleitfahrzeug kam mit der Übermittlung der Anfeuerungsrufe aus der WhatsApp Gruppe kaum noch nach. So konnte ich 3 km vor dem Ziel wieder plötzlich ein 5 Minutentempo laufen. Der letzte Kilometer dann in 4:20. Die ersten Häuser, unser Haus, meine Familie und Freunde. Dies hatten einen Zielbereich aufgebaut …. an dem ich glatt vorbeilief. Also nochmal durch das Ziel. i am an Ironman! 13:20 Stunden.

Möglich wurde das dank der Unterstützung meiner Familie, Trainer und der ärztlichen Betreuung. Dank auch an die Nordtriathleten für ihre Geduld und guten Tipps. Und natürlich an meinen Heimatverein VfL Bergheide sowie an meine 61 Mann/Frau starke WhatsApp Gruppe welche mich ins Ziel gebrüllt hat. Wer braucht da schon 100.000 Frankfurter?

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