Heuser kämpft sich bei WM-Premiere auf Rang fünf
Alstadenerin überzeugt über 1000 Meter und 5000 Meter – bei der Deutschen Meisterschaft wartet schon die nächste Herausforderung
OBERHAUSEN/POZNAN. Am Ende fehlten ein paar Meter – und vielleicht auch ein wenig die Kraft. Caroline Heuser hatte bei ihrer ersten Weltmeisterschaft im Erwachsenenbereich lange um die Medaillen mitgekämpft. Am Ende wurde es für die 19-jährige Kanutin des Alstadener Kanu Clubs (AKC) Platz fünf über 1000 Meter. Über die 5000 Meter folgte am Sonntag noch Rang acht.
Ganz zufrieden war Heuser damit allerdings nicht.
Dabei hatte sich die Alstadenerin ihren Platz im WM-Finale durchaus eindrucksvoll erarbeitet. Sowohl ihren Vorlauf am Mittwoch als auch den Zwischenlauf am Donnerstagvormittag entschied sie für sich. Zwei Rennen, zwei Siege – das Finalticket war damit direkt gelöst.
Und auch im Endlauf am Freitag versteckte sich Heuser keineswegs.
Im Gegenteil.
Die 19-Jährige ging das Rennen offensiv an und setzte sich in der Startphase sogar an die Spitze des Feldes. Doch das hohe Anfangstempo forderte im weiteren Verlauf seinen Tribut. Heuser musste die Führenden ziehen lassen, der Kontakt zur Spitze riss ab.
Aber abgeschrieben hatte sich die Alstadenerin damit noch lange nicht.
Im Schlussspurt griff Heuser noch einmal an. Mit letzter Kraft schob sie ihr Kajak nach vorne und arbeitete sich von Platz acht wieder bis auf Rang fünf vor.
„Nach dem bisherigen Saisonverlauf hätte da mehr drin sein sollen“, meinte die 19-Jährige anschließend selbstkritisch. „Aber heute lief es irgendwie überhaupt nicht rund.“
Ihr Trainer Karsten Heuser wollte das Ergebnis dagegen keineswegs kleinreden.
„Caro hat ihr erstes Rennen bei einer Erwachsenen-WM gefahren, sich bei vier Vorläufen bis ins Finale gekämpft und dort Platz fünf belegt. Das ist schon einmal eine Leistung.“
Zumal die Vorbereitung alles andere als problemlos verlaufen war. Die Schulterverletzung, mit der Heuser bereits im Frühjahr zu kämpfen hatte, machte sich seit dem Trainingslager in München erneut bemerkbar.
„Im Prinzip hat sie in den letzten Tagen eher ein Schonprogramm absolviert“, sagt ihr Trainer. „Ich bin schon froh, dass das überhaupt so gut geklappt hat.“
Und tatsächlich: Durchkämpfen musste sich die 19-Jährige in Poznan durchaus.
„Caro hat sich da ordentlich durchgekämpft, auch wenn sie sich vielleicht selber mehr erhofft hat. Aber jeder Tag ist halt anders und das Leben keine Matheformel.“
Auf der Langstrecke wird noch einmal angegriffen
Dass mit Heuser auch über die Langstrecke zu rechnen ist, zeigte sich dann am Sonntag.
Über die 5000 Meter erwischte die Alstadenerin erneut einen starken Start und ging zunächst sogar in Führung. Anschließend versuchte sie, das hohe Tempo der Marathon-Weltmeisterin Melina Anderson mitzugehen.
Nach einer guten ersten Portage musste Heuser allerdings etwas abreißen lassen und fand sich zunächst in der zweiten Verfolgergruppe wieder. Von Platz fünf ging es zwischenzeitlich sogar auf Rang sechs zurück.
Doch gerade bei 5000 Metern ist ein Rennen eben erst vorbei, wenn die letzte Portage absolviert und die Ziellinie erreicht ist.
Und Heuser hatte noch etwas im Tank.
In den beiden letzten von insgesamt sechs Runden und fünf Laufpassagen entwickelte sich noch einmal ein spannender Kampf. Die 19-Jährige kämpfte, schob ihr Kajak Meter für Meter nach vorne und beendete das Rennen schließlich auf Platz acht.
Diesmal fiel ihr Fazit deutlich positiver aus.
„Das war ein gutes Rennen“, sagte Heuser. „Ich war noch nie so nah an Melina dran wie hier, auch wenn ich in Montreal eine Medaille geholt habe.“
Und auch eine andere Rechnung ging für die Alstadenerin diesmal auf: „Die Spanierin, die in Montreal noch vor mir war, war heute hinter mir.“
Heusers Erkenntnis nach den 5000 Metern: Auf der Langstrecke ist vieles möglich.
„Langstrecke hat ihre eigenen Gesetze. Da steht nichts von vorne fest.“
Keine Zeit zum Verschnaufen
Viel Zeit, die WM-Erlebnisse sacken zu lassen, bleibt der 19-Jährigen ohnehin nicht.
Denn die nächste Aufgabe wartet bereits.
Ab Mittwoch geht es bei den Deutschen Meisterschaften in Brandenburg weiter. Heuser wird dort im Einerkajak über 500, 1000 und 5000 Meter antreten. Dazu kommen die Starts in den Renngemeinschaftsbooten des KV NRW.
Und auch im Mixed-Zweier gibt es aus Alstadener Sicht eine interessante Kombination: Heuser wird gemeinsam mit dem neu zum AKC gewechselten Silvan Diethelm im K2 an den Start gehen.
Nach der WM ist also vor der Deutschen Meisterschaft.
Für Caroline Heuser bleibt damit kaum Zeit, sich über den fünften Platz zu ärgern. Die nächsten Rennen warten bereits.